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Der Weg zum guten Foto

Survey

Weitwinkelobjektive


Stupas in Borobudur Das Weitwinkelobjektiv läßt die Entfernung des Bildhintergrundes größer erscheinen. Bei dieser Aufnahme wurde mit einem Weitwinkelobjektiv mit kleiner Blende erreicht, daß weder Vorder- noch Hintergrund durch Unschärfen verzeichnet sind.

Fotograf: Bill Cafer

Das Weitwinkelobjektiv hat eine kürzere Brennweite und einen größeren Bildwinkel als das Normalobjektiv. Eine Weitwinkelaufnahme erfaßt somit ein größeres Blickfeld als eine vom selben Standpunkt aus mit dem Normalobjektiv gemachte Aufnahme.

In der Praxis verwendet man das Weitwinkelobjektiv vorwiegend dann, wenn man sich wegen beengter Platzverhältnisse nicht ausreichend weit vom Motiv entfernen kann, um dieses mit dem Normalobjektiv in seiner Gesamtheit zu erfassen. Wenn beispielsweise die Angehörigen der im heimischen Wohnzimmer um den Weihnachtsbaum herum versammelten Sippe gerne alle auf einmal aufs Gruppenfoto draufwollen oder wenn Sie die nagelneue Siebenmeterlimousine auf der völlig überlaufenen Automesse zumindest auf dem Foto mit nach Hause nehmen möchten, ist ein Weitwinkelobjektiv eine ausgesprochen feine Sache.

Auch bei Außenaufnahmen ist das Weitwinkelobjektiv ein treuer Freund und Begleiter, sei es in den engen Gassen einer romantischen Altstadt, sei es auf einem betriebsamen Marktplatz oder bei breit angelegten Landschaftsaufnahmen – kurzum, überall dort, wo man mit dem Normalobjektiv im wahrsten Sinne des Wortes nicht weit kommt.

Nützlich ist ein Weitwinkelobjektiv auch immer dann, wenn der Blick auf das Motiv durch Personen oder andere Objekte verstellt ist. Mit dem Weitwinkelobjektiv können Sie näher an das Motiv herantreten und den Bildausschnitt ohne störende Elemente entsprechend Ihren Vorstellungen wählen.

Perspektive

An Schönheit unübertroffen: Das Tadsch Mahal Das Weitwinkelobjektiv bringt die Größenverhältnisse von Vorder- und Hintergrund durcheinander: Was leicht zu unfreiwilligem Humor führt, wurde hier absichtlich für eine witzige Aufnahme genutzt.

Fotografin: Cathi Gommeringer KINSA /KODAK-Fotowettbewerb

Die Perspektive beim Fotografieren wird durch den Abstand zwischen Kamera und Motiv bestimmt. Solange dieser Abstand der gleiche ist, besteht hinsichtlich der Perspektive kein Unterschied zwischen Normalobjektiv, Weitwinkelobjektiv und Teleobjektiv. Bei kleinen Entfernungen zum Motiv, wie sie beim Weitwinkelobjektiv die Regel sind, sehen Objekte, die sich in der Nähe befinden, ungewöhnlich groß aus; umgekehrt wirken im Hintergrund liegende Bildelemente stark verkleinert und scheinen somit sehr weit entfernt zu sein. Der Grund hierfür ist, daß bei Weitwinkelaufnahmen der Abstand zwischen der Kamera und dem Bildvordergrund im Verhältnis sehr viel kleiner ist als die Entfernung zwischen in der Nähe und in der Ferne gelegenen Bildelementen. Anders ausgedrückt: Je mehr sich die Kamera dem Bildvordergrund annähert, desto weiter rückt in der Wahrnehmung der Bildhintergrund zurück. Das Weitwinkelobjektiv führt somit zu einer überzogenen Wiedergabe der räumlichen Verhältnisse. Eine Landschaft im Hintergrund kommt dem Betrachter sehr viel weitläufiger vor, wenn sich das Auge bei der Einschätzung der Größenverhältnisse beispielsweise an einer Person, einem Baum oder einem Auto im unmittelbaren Vordergrund orientieren kann.

Aus diesem Grunde eignen sich Weitwinkelobjektive denkbar schlecht für Porträtaufnahmen aus der Nähe, sofern man keinen humoristischen Effekt beabsichtigt. Durch die veränderte Perspektive wirkt die vorn liegende Nase knollenartig vergrößert, während die weiter hinten befindlichen Ohren stark verkleinert erscheinen. Bei anderen Sujets hingegen sind solche Verzerrungen durchaus erwünscht: Wenn Sie etwa einen flotten Sportwagen von vorn aufnehmen, wirkt er gleich noch mal so schlank und schnittig wie in Wirklichkeit. Eine zur Begrüßung ausgestreckte Hand sieht auf einer Weitwinkelaufnahme genauso groß oder noch größer aus als der Kopf der Person, zu der die Hand gehört – ebenfalls ein interessanter Effekt.

Wenn Sie mit dem Weitwinkelobjektiv ein Hochhaus, eine gotische Kathedrale oder dergleichen, also ein Motiv mit ausgeprägter vertikaler Linienführung fotografieren, halten Sie die Kamera nicht nach oben oder unten geneigt, da sonst die Linien zur Entfernung hin zusammenzulaufen scheinen. Dieser Trapezeffekt ist normalerweise nicht erwünscht, kann aber auch auf kreative Weise eingesetzt werden, zum Beispiel, um einen Wolkenkratzer noch höher erscheinen zu lassen.

Schärfentiefe

Spaziergänger am Strand Das Weitwinkelobjektiv führt zu einer überzogenen Wahrnehmung der räumlichen Verhältnisse und der Proportionen der Bildelemente von Vorder- und Hintergrund: Das Auge des Betrachters schätzt die Entfernungen sehr viel größer ein, als sie in Wirklichkeit sind.

Fotografin: Virginia Avery KINSA /KODAK-Fotowettbewerb

Als zusätzlichen Vorteil bietet das Weitwinkelobjektiv eine verbesserte Schärfentiefe. Wenn man zum Beispiel bei der Kleinbildkamera mit einem 28-mm-Weitwinkelobjektiv Blende 11 wählt und auf ein Objekt in drei Metern Entfernung scharfstellt, erhält man eine korrekte Schärfe für alle Entfernungen von etwa anderthalb Metern an bis unendlich. Beim normalen 50-mm-Objektiv würde die Schärfentiefe in dieser Situation gerade einmal den Bereich von ungefähr zwei bis fünf Metern abdecken.

Im Grunde genommen ist die Schärfentiefe bei allen Objektiven unabhängig von der Brennweite immer dieselbe, wenn man die Entfernung zum Motiv jeweils so wählt, daß sich dieselbe Bildgröße ergibt. Wenn man dem Vergleich allerdings eine bestimmte Kamera und eine bestimmte Entfernung zum Motiv zugrunde legt, kann man davon sprechen, daß sich die Schärfentiefe mit der Brennweite erhöht.